Etwas Neues zu beginnen ist leicht – man muss es einfach nur machen. Aber danach langfristig dranzubleiben… das ist hart. Denn man muss es immer wieder machen und es hört nie auf.
Wir können uns alle ein paar Wochen für eine Diät zusammenreißen und jeden Tag frisch kochen. Wir können uns ohne weiteres ein paar Monate lang ins Fitness-Studio zwingen. Solange der Entspannungskurs läuft, gehen wir da auch hin.
Aber der Gedanke, das alles jetzt „für immer“ machen zu müssen, jagt den meisten von uns einen Schauer über den Rücken. Für immer ist ganz schön lang. Und irgendwann kommt der Punkt, da dürfte es auch gerne wieder vorbei sein. Da möchten wir wieder essen, was wir wollen. Da greifen wir erleichtert zur TK-Pizza, lassen das Fitti sausen und pfeifen auf die Entspannungsübungen, weil das Leben eben stressig ist und für mehr keine Energie da ist.
Und das ist in Ordnung.
Zwar stimmt es, dass Regelmäßigkeit und Kontinuität wichtig, ja sogar unverzichtbar, sind. Aber das Leben ist unbeständig und wird uns zuverlässig früher oder später aus der Bahn werfen und dann gelten andere Prioritäten. Das muss nichts Gravierendes sein, eine schnöde Erkältung reicht schon aus.
Und dann ist es wichtig, wieder Reinfinden zu können – dann kann und muss man üben, denn es kann frustrierend sein, wenn der Trainingsfortschritt futsch ist und man sich denkt: jetzt ist es eh wurscht, jetzt habe ich schon keinen Sport gemacht, jetzt brauche ich den Salat auch nicht mehr zu essen.
Aber so machen wir das nicht. Wir legen die Prioritäten fest und geben unser Bestes. Es gibt kein „scheitern“ – wir werden sehr oft stolpern, aber wir stehen immer wieder auf.
Hilfreich sein kann das WOOP-Prinzip* (Wish, Outcome, Obstacle, Plan – Wunsch, Ergebnis, Hindernis, Plan): indem wir die Stolpersteine von Anfang an mitdenken, können wir uns auf sie vorbereiten – und wenn sie auftauchen, wissen wir sofort, was zu tun ist. Wir machen uns also eine Liste mit dem, was wir erreichen wollen, den Schritten, die uns dorthin führen und den Hindernissen, die uns auf dem Weg begegnen. Was sagt zum Beispiel der innere Schweinehund und wie möchten wir ihm antworten? Wie können wir uns auf Tage vorbereiten, die besonders stressig sind und in denen die Zeit knapp ist? Was ist, wenn wir müde oder krank sind?
Nicht alles ist vorhersehbar, aber vieles schon. Deshalb identifizieren wir die Dinge, die sehr wahrscheinlich eintreten werden und wenn es so weit ist, sind wir bestens vorbereitet.
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*von Gabriele Oettingen, Prof. für Psychologie an der New York University und der Universität Hamburg. https://woopmylife.org/de/home