Come On Come On

Heute stehen 15 langsame Kilometer auf dem Plan. Darauf freue ich mich schon seit Tagen, denn es ist die erste Einheit in meinem aktuellen Trainingsplan, die mich mein neues Ziel nicht nur denken, sondern auch fühlen lässt: ein Halbmarathon. (So, jetzt ist es raus!)
Ich mag lange und langsame Einheiten, weil sie vollkommen stressfrei sind, ich muss nicht viel machen und auf wenig achten. Schon nach kurzer Zeit schaltet mein Cockpit auf Autopilot und ich mache mir keine Gedanken mehr darüber, wie weit es noch ist und wie lange ich noch muss. Die Maschine läuft und ich einfach mit ihr mit. Heute scheint auch noch die Sonne. Ein Träumchen.
ABER.

Problem ist: ich sitze gerade auf der Couch und trinke einen Latte Macchiato. Das erste ist sehr gemütlich und das zweite sehr lecker. Sehr gut kann ich mir vorstellen, noch etwas länger auf der Couch zu sitzen und noch einen zweiten Latte Macchiato zu trinken. Draußen ist es außerdem frisch, minus 1 Grad, auf meiner persönlichen Fröstelskala noch erheblich weniger. Ich würde also vermutlich im beheizbaren Schneeanzug losjoggen und nach zehn Minuten feststellen, dass es mir darin unvorhergesehenerweise zu warm ist. Ungünstig. Morgen ist bestimmt ein besserer Tag. Da werde ich mich bestimmt leichter aufraffen können. [Spoiler: Nein.]

Ich horche tief in mich hinein, ob mir irgendwas weh tut. Kann nichts feststellen. Zur Sicherheit horche ich noch mal genauer, aber da ist nichts. Es wäre ja blöd, wenn ich mit Schmerzen abbrechen und kilometerweit nach Hause zurück gehen müsste, bei dieser arktischen Kälte. Lebensgefährlich. Daher horche ich erneut. Sehr, sehr tief. Und wenn ich so darüber nachdenke, pocht es tatsächlich ein bisschen im Schienbein. Und in der Wade auch. Gerade hat es im Knie gezuckt! Ich sollte zur Verletzungsprophylaxe vorsichtshalber zu Hause bleiben.

Ich bin auch ziemlich müde, konnte letzte Nacht nicht einschlafen, zu viele Gedanken wirbelten mir durch den Kopf und ich war aufgeregt, grundlos, oder vielleicht nicht ganz, sagen wir: grundarm, aber eigentlich stimmt auch das nicht ganz. Gründe habe ich nämlich eine Menge, allerdings sind die Anlässe immer nur so Mimimimimi und das kostet eine Menge Kraft, weswegen ich sehr häufig müde bin und Schlaflosigkeit schafft da nicht direkt Abhilfe.

Oje, und jetzt musste ich husten! Bahnt sich da eine Erkältung an? Ach Mensch, aber das wäre doch zu schade, wenn diese Einheit ausfallen müsste. Ich hatte mich doch so sehr darauf gefreut… Schon Montag konnte ich nicht los wegen Migräne und auch ein bisschen wegen Wetter. Was für eine Enttäuschung. Vielleicht sollte ich mir zum Trost noch einen Kaffee machen? Und mich für heute lieber schonen? Wo Regeneration doch schließlich auch Training ist?

Andererseits: wovon regenerieren? Der letzten ausgefallenen Einheit?
Aufhören zu quaken, das muss ich. In Wirklichkeit spricht alles dafür, heute loszutraben, nur mein ISH brüllt mir in so ohrenbetäubender Lautstärke ins Hirn, dass mir ganz schwindelig davon wird. Manche Dinge muss man einfach tun, ohne sie jedes Mal neu zu hinterfragen. So wie beim Zähneputzen. Da habe ich nämlich auch keine Böcke drauf und ich mache es trotzdem. Weil ich weiß, dass es gut für mich ist. Auch ohne Bock.




Eine Antwort auf „Come On Come On“

  1. Ha, die Diskussionen kenne ich 😀
    Und die ewige Müdigkeit auch…
    Schön geschrieben!

    …Und jetzt verstehe ich auch die Quälerei, von der du im letzten Beitrag geschrieben hast – Halbmarathon, na da haste dir ja was vorgenommen!
    Muss aber nicht schon übermorgen klappen, oder..?

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